November 18

Arbeiten bis zum Burn-out

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Karoshi. Das ist japanisch und heißt Tod durch Überarbeitung. 

Ja, die Japaner haben sogar ein eigenes Wort dafür.

Sie sind auch dafür bekannt viel zu arbeiten und wenig Urlaub zu machen. 

Gerade mal auf zehn bezahlte Urlaubstage hat ein Japaner im Jahr Anspruch. 

Doch schauen wir uns mal in Deutschland um.

Dort gibt es zunehmend auch Fälle die sich Überarbeiten und dann in ein Burn-out fallen bis zur Berufsunfähigkeit oder gar Tod. 

Eine wahre Geschichte dazu:

Tom (Name geändert) ist selbstständig. Er arbeitet freiberuflich für große Firmen und erstellt Webseiten. 

Seine Arbeit findet überwiegend sitzend statt. Das ist für Tom aber überhaupt kein Problem. 

Er ist sportlich. 

So richtig sportlich. 

Drahtiger Körper, kein Gramm Fett. Den Halbmarathon läuft er regelmäßig unter eineinhalb Stunden. 

Neben Laufen fährt er auch noch viel mit dem Fahrrad und inzwischen trainiert er auch im Wasser. 

Sein nächstes Ziel ist es bei einem Triathlon teilzunehmen. 

Doch seit einigen Tagen plagen ihn starke Schmerzen in der Lendenwirbelsäule. 

Sämtliche ärztliche Untersuchungen waren ohne Befund. 

Alles nur Einbildung?

Keineswegs! 

Tom kam zu mir und ich habe mir seine Geschichte angehört. 

Auf meine Nachfrage wann er das letzte Mal Urlaub gemacht habe, antwortete er, vor 10 Jahren. 

Seitdem er selbstständig ist, kann er es sich nicht erlauben Urlaub zu machen. Die Einbußen wären für ihn zu groß. 

Ich habe ihm nahegelegt, dass er dringend einen Gang zurückschalten sollte. 

Die Behandlung mit der Dorn-Therapie hat hervorragend angeschlagen und er war ein paar Tage schmerzfrei.  

Doch dann kamen die Schmerzen wieder und wurden sogar noch heftiger. 

Tom hat so weitergemacht wie bisher. 

Er kam dann wieder zu mir in Behandlung. 

Abermals habe ich ihn darauf hingewiesen, dass eine Behandlung alleine nichts bringt. 

Er muss selbst die Ursache für die Schmerzen beseitigen. 

In seinem Fall wäre das die Überarbeitung in Verbindung mit vielem Sitzen und dann das andere Extrem mit zu vielem Sport. 

Tom sagte, dass es für ihn nicht möglich ist, da er unersetzbar in seinem Beruf ist. 

Ein paar Tage später hatte er Herz-Kreislauf-Probleme und wurde mit dem Notarzt in die Klinik gebracht. 

Sämtliche Untersuchungen wieder ohne Befund. 

Ein hinzugezogener Psychologe diagnostizierte Burn-out. 

Inzwischen hat sich Tom einer Burn-out Selbsthilfegruppe angeschlossen. 

In diesem Artikel erkläre ich Dir die körperlichen und psychischen Symptome, die bei Burn-out auftreten können und wie Du einen Burn-out vermeiden kannst. 

Burn-out: Körperliche Symptome (Alarmzeichen)

Ein Burn-out entsteht nicht von heute auf morgen. 

Da es ein schleichender Prozess ist, erkennt man es häufig zu spät. Es gibt Symptome die ein Anzeichen für ein Burn-out sein können. 

Herz-Kreislauf-System

Unser Herz-Kreislauf-System wird durch chronischen Stress geschwächt. 

Dauerstress erzeugt nach aktuellen Studien [1] ein sehr viel höheres Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Typische Symptome dafür sind:

  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Ablagerungen in den Gefäßen
  • Bluthochdruck

Die Faktoren erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt. Außerdem kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. 

Anzeichen dafür sind:

  • Brustschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Herzrasen
  • Herstolpern

Diabetes

Chronischer Stress kann eine Diabetes Erkrankung begünstigen. [2]

Eine Diabeteserkrankung kannst Du unter anderem an folgenden Symptomen erkennen: 

  • ständige Müdigkeit
  • starker Durst
  • Gewichtsverlust
  • häufiger Harndrang
  • schlechte Wundheilung

solltest Du eines oder mehrere dieser Symptome haben, wäre es angebracht dies näher untersuchen zu lassen. 

Regelmäßige Bewegung kann übrigens den Blutzuckerspiegel bei vorhandenem Diabetes senken. 

10 Gründe warum Bewegung wichtig ist

Immunsystem

Ständiger Stress lässt den Cortisolspiegel im Blut steigen. 

Das ist bei akutem Stress gut und aktiviert unser Immunsystem. 

Wird der Stress jedoch chronisch, was bei Burn-out der Fall ist, verkehrt sich die Wirkung von Cortisol ins Gegenteil. [3]

Das führt zur vermehrter Infektanfälligkeit. 

Ein System welches sich selbst hochschaukelt. 

Magen-Darm Probleme

Auch der Magen-Darm-Trakt kann unter Burn-out leiden. 

Häufig sind Magenschmerzen, Übelkeit, Bauchkrämpfe, Reizdarm und Sodbrennen zu beobachten. [4]

Vor allem, wenn solche Symptome länger bestehen, sollten die Alarmglocken angehen. 

Verspannte und verkürzte Muskulatur

Dauerstress macht sich in der Muskulatur bemerkbar. 

Vor allem die Schulter- und Nackenmuskulatur reagieren als Erstes auf stressige Situationen. 

Die Folge von ständiger Anspannung in der Muskulatur ist eine Verkürzung. 

Damit verbunden sind dann auch Fehlhaltungen, welche wiederum zu Schmerzen und mehr Stress führen können. 

verkürzte Muskeln - ursachen und abhilfe

Burn-out: Psychische Symptome

Der Begriff Burn-out wurde erst in den 1970er-Jahren benutzt und ist nicht mit einer Depression gleichzusetzen. 

Beim Burn-out stehen die Erschöpfungssymptome im Vordergrund. Dennoch kann es sein, das sich dahinter eine Depression verbirgt. 

Die psychischen Probleme, welche bei einem Burn-out auftreten können, sind ebenfalls vielfältig. 

Kaum jemand traut sich öffentlich darüber zu Reden. 

Folgende Beschwerden sind möglich:

  • Angst und Wut
  • Unzufriedenheit mit Situationen und sich selbst
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Innere Anspannung und Unruhe
  • Nervosität
  • Reizbarkeit
  • Erschöpfung
  • Schlaflosigkeit

Ein Psychotherapeut kann bei diesen Symptomen die passende Diagnose stellen und entsprechend eine geeignete Therapie einleiten. 

Depressionen

Eine Depression ist eine schwere seelische Erkrankung, welche grundsätzlich in jedem Alter auftreten kann. Sie kann durch einen Burn-out ausgelöst werden. 

Jemand, der unter einer Depression leidet, fühlt sich niedergeschlagen, verliert das Interesse an Hobbys und anderen Personen und ist erschöpft und antriebslos. 

Symptome können sein:

  • Appetitlosigkeit
  • Negative und pessimistische Gedanken
  • Schlaflosigkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Nachlassende Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Gefühl von Wertlosigkeit
  • unspezifische Schmerzen
  • nachlassendes sexuelles Interesse

Bei diesen Anzeichen empfiehlt es sich einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Dieser kann abklären, ob es sich um eine Depression handelt, oder um eine depressive Verstimmung und eine passende Therapie durchführen. 

Panikattacken

Als Zustand intensiver Angst kann eine Panikattacke beschrieben werden. 

Das passiert meist, wenn zu viele Stressfaktoren auf einmal auftreten. 

Die Attacken beginnen meist ohne Vorwarnung und dauern Minuten bis zu einer halben Stunde. 

Typische Symptome einer Panikattacke:

  • Schweißausbrüche
  • Hitzewallungen oder Kälteschauer
  • Atemnot, Erstickungsgefühle oder Kurzatmigkeit
  • Beklemmungsgefühle in Hals oder Brust
  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • Schwindel
  • Gefühl von Benommenheit oder das Gefühl in Ohnmacht zu fallen

Einige dieser Symptome können natürlich auch auf andere körperliche Symptome wie z. B. Herzinfarkt, Diabetes und Bluthochdruck hinweisen. Eine ärztliche Abklärung ist in diesem Fall sinnvoll. 

Burn-out rechtzeitig erkennen und vermeiden

Es gibt verschieden Anzeichen um einen (beginnenden) Burn-out rechtzeitig zu erkennen. [5]

Dazu zählen folgende:

  1. Den Drang sich zu beweisen
  2. Verstärkte Leistungsbereitschaft
  3. Ausblenden der eigenen Bedürfnisse
  4. Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
  5. Verzerrte Wahrnehmung der Realität
  6. Verstärkte Verleugnung auftretender Probleme
  7. Rückzugsphase
  8. Deutliche Verhaltensänderung
  9. Entfremdung
  10. Innere Leere
  11. Depression
  12. Völlige Burn-out-Erschöpfung. 

Im Internet gibt es zu diesem Thema auch viele Selbsttests

Diese Tests ersetzen aber keinesfalls eine fachliche Diagnose, sondern können nur ein Anhaltspunkt sein. 

Burn-out vorbeugen

Natürlich gibt es auch Maßnahmen, die einen Burn-out verhindern können. 

Ich bezeichne das als ausgewogenen Lebensstil. 

  • Gesunde Ernährung
  • Regelmäßige Bewegung
  • Stressquellen ausfindig machen und beseitigen
  • Bereitschaft an sich selbst zu arbeiten
  • Ausreichend Schlaf
  • Smartphone und Co. häufiger weglegen
  • Entspannung (Meditation, Autogenes Training, Yoga, Tai-Chi usw.)
  • usw.

Übung Blick in die Zukunft

Wenn Du ähnlich wie Tom, aus der obigen Geschichte, denkst Du bist unersetzbar und musst ständig arbeiten, mache folgende Übung:

Glaubst Du das Du in 20, 30 oder 40 Jahren (je nach Alter) immer noch unersetzbar bist?

Was passiert mit Deinem Körper, wenn Du so weitermachst wie bisher?

Stelle es Dir in allen Einzelheiten vor. 

Burn-out ist meist hausgemacht

Resiliente Menschen bewältigen Druck, Stress und Schicksalsschläge ohne daran zu zerbrechen. 

Die Grundlagen für diese Bewältigungskompetenz werden häufig schon im Kindesalter gelegt. 

Auch im Erwachsenenalter lässt sich Resilienz trainieren. [6]

Ein paar Anregungen dazu habe ich Dir im kostenlosen Kurs: Psychologische Tricks, um Krisen zu meistern zusammengestellt. 

State-Management

Loslassen

Brille wechseln

Täter statt Opfer

Wenn Dir der Beitrag gefallen hat oder Du noch Anregungen oder Fragen hast, würde es mich freuen, wenn Du einen Kommentar hinterlässt. 

Quellen

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Jochen Pippir

Über den Autor

Heilpraktiker, Coach, Ortho-Bionomy® Practitioner und NLP-Practitioner (DVNLP) mit eigener Naturheilpraxis in Neu-Ulm/Pfuhl. Spezialisiert auf Erkrankungen des Bewegungsapparates und Ursachenfindung.

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